
Nationalpark Naturzone südlicher Neusiedlersee
Der Neusiedler See ist der westlichste Steppensee Europas und zugleich der größte See Österreichs. Der den See umfassende Schilfgürtel stellt mit rund 178 km² den zweitgrößten zusammenhängenden Schilfbestand Europas dar. Die Gesamtfläche des Sees inklusive Schilfgürtel beträgt heute etwa 320 km², davon liegen ca. 4/5 auf österreichischem und 1/5 auf ungarischem Staatsgebiet. Der von Franz Werfel als "Österreichs seltsamer Gast" titulierte See und sein Schilfgürtel stellen für eine Reihe seltener Tierarten einen wichtigen Lebensraum dar.
Der Neusiedler See ist damit wesentlich jünger als die Alpen- und Voralpenseen, die während der letzten Eiszeit entstanden sind.

Wasserbilanzmodell Neusiedler See
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Sogar die rund 47 Mio. Kubikmeter Wasser, die aus oberirdischen Zuflüssen den See speisen, können nur einen kleinen Teil der jährlich verdunstenden Wassermenge ausgleichen.

Einserkanalschleuse beim Mexikopuszta (Fertöujlak)
Erst seit rund 100 Jahren ist der See über den sogenannten Einserkanal regulierbar, zumindest was das Abwehren von Hochwasserschäden betrifft. Die auf ungarischer Seite liegende, 1992 technisch erneuerte Schleuse kann nicht zur Anhebung des Wasserstands genutzt werden.

Trockengefallene Bereiche im Schilfgürtel, Sommer 2002
Die natürlichen Wasserstandsschwankungen des Neusiedler Sees bewirkten in früherer Zeit sehr unterschiedliche Ausdehnungen. Das Spektrum reicht von völliger Austrocknung bis zu über 500 km² Größe.
Einige Zahlen zur Verdeutlichung der Größe dieses nur rund 1,5 m tiefen Steppensees:
Einige Zahlen zur Verdeutlichung der Größe dieses nur rund 1,5 m tiefen Steppensees:
- Die Erhöhung des Wasserspiegels um 1 cm entspricht 3 Mio m³ (= Tagesverbrauch von 15 Mio Menschen).Bei einer Länge von 36 km ist die Seemitte infolge der Erdkrümmung gegen das Nord- bzw. Südufer um 27 m aufgewölbt.
- Die Wassertemperatur beträgt im Jahresmittel 11°C und kann bis 30°C ansteigen.
- Die Höchstwerte der Salzkonzentration können im Sommer 2000 g/m³ übersteigen.
- Der bis zu 5 km breite Schilfgürtel bedeckt eine Fläche von etwa 178 km².
Link: Zwischen Austrocknung und Hochwasser: Die
Dynamik des Wasserstands im Neusiedler See

Abwechslungsreiches Lebensraummosaik im Schilfgürtel
Vor Wind geschützt, können in den See eingetragene Nähr- und Schadstoffe hier sedimentieren, der Schilfgürtel dient gewissermaßen als natürliche Kläranlage, organische Abbauprozesse finden statt. Der Wind kann das Wasser nicht ständig aufwirbeln. Daraus erklärt sich auch die bräunliche Wasserfärbung und die im Vergleich zum Freiwasserbereich des Neusiedler Sees hohe Sichttiefe.

Ringelnatter (Natrix natrix)
Diese Tiere und die Vegetation wiederum stehen einer großen Anzahl weiterer Tierarten als Nahrung zur Verfügung. Der Europäische Laubfrosch oder die Rotbauchunke und weitere Amphibienarten besiedeln den Schilfgürtel ebenso wie die Ringelnatter.

Reh (Capreolus capreolus)
Versteckt im Schilfdickicht finden Zwerg-, Sumpf- und Wasserspitzmaus und die Nordische Wühlmaus, ein Eiszeitrelikt, ideale Lebensbedingungen. Landseitige Schilfbestände bieten Deckung für Reh und Hirsch.

Silberreiher (Casmerodius albus)
Eine Fülle von Singvögeln (Drossel-, Teich-, Schilfrohrsänger, Mariskensänger, Rohrschwirl, Rohrammer, Bartmeise, Blaukehlchen usw.) besiedeln ebenso den Schilfgürtel wie verschiedene Rallen (Bläßhuhn, Wasserralle, Teichhuhn, Kleines Sumpfhuhn und Tüpfelsumpfhuhn).
Sicherlich von internationaler Bedeutung sind die Bestände von Mariskensänger, Kleinem Sumpfhuhn und Bartmeise.

Junge Rohrweihen (Circus aeroginosus)
Neben den bereits erwähnten typischen Schilfvögeln nutzen auf diese Weise auch eher als Waldvögel bekannte Arten wie Blau- und Kohlmeise, Rotkehlchen und Zilpzalp das reichhaltige Nahrungsangebot. Rauch-, Mehl- und Uferschwalbe jagen im Spätsommer gerne über dem Schilfdickicht. An den Kanälen des Schilfgürtels kann man im Sommer manchmal auch Eisvögel beobachten.





