Flächenmanagement

Fleckviehherde an der Lange Lacke

Beweidung, Wiesenmahd, Schilfschnitt und das Rückstauen von Entwässerungsgräben sind die wichtigsten Aufgaben im Flächenmanagement des Nationalparks. Die Maßnahmen zielen darauf ab, die über Jahrhunderte entstandene Kulturlandschaft mit ihrer reichen Artenvielfalt zu erhalten. Im Flächenmanagement wird stets auf naturschutzfachliche Belange Rücksicht genommen, die Form der Bewirtschaftung ist nicht auf Wirtschaftlichkeit ausgerichtet sondern orientiert sich an den Ergebnissen naturwissenschaftlicher Begleitforschung.

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Bewahrungszone Lange Lacke

Wie in den meisten Nationalparks Europas zählen auch am Neusiedler See verschiedene Elemente der Kulturlandschaft zu den besonders schützenswerten Lebensräumen. Die offene, steppenartige Landschaft des Seewinkels ist größtenteils von menschlicher Nutzung geprägt. Großflächige Rodung der Wälder, Landnutzung durch Heumahd und vor allem durch Beweidung und später schrittweise Entwässerung haben im Lauf der Jahrhunderte das Landschaftsbild verändert. 

Durch die menschliche Nutzung entstanden Lebensräume, die ohne Nutzung innerhalb kurzer Zeit weitgehend verbuschen, verwalden oder verschilfen würden. Die Erhaltung bzw. Wiederherstellung dieser für Österreich einzigartigen Ökosysteme ist das Ziel des Nationalpark-Flächenmanagements.

Rinderherde

Über Jahrhunderte mussten sich die im Seewinkel lebenden Menschen dem Wechselspiel feuchter und trockener Perioden fügen. Mit der Möglichkeit der Entwässerung weiter Feuchtgebietsteile durch Anlegen von Entwässerungsgräben wurden neue intensiv landwirtschaftlich nutzbare Flächen gewonnnen und wertvolle Lebensräume zerstört. 

Mit der Intensivierung und Mechanisierung der Landwirtschaft änderte sich die Situation schlagartig: Äcker und Weingärten drängten Brut- und Nahrungsgebiete stark zurück, Standorte vieler gefährdeter Pflanzenarten gingen verloren. Der Niedergang der Viehwirtschaft in den 60er und 70er Jahren des 20. Jahrhunderts schließlich ließ den Bedarf an Heu und Weideland sinken, wodurch wiederum hohe und dichte Vegetation - im Seevorgelände und rund um die Lacken vor allem Schilf - aufkommen konnte. 

Das Flächenmanagement in der Bewahrungszone des Nationalparks zielt also auf die Erhaltung bzw. Verbesserung der Biotopqualität in der Kulturlandschaft. Berücksichtigt werden dabei nicht nur Ergebnisse aus aktuellen Forschungsprojekten, sondern auch Erfahrungswerte aus der tradtionellen Landwirtschaft.

 

Die gesetzten Pflegemaßnahmen haben seit Gründung des Nationalparks bereits in mehreren Teilgebieten zur Wiederherstellung von Lebensräumen für Tiere und Pflanzen geführt. Einen durchaus erwünschten Nebeneffekt zeigen die Beweidungs- und Zuchtprojekte für die Besucherlenkung: Graurinder, Mangalitza-Schweine, Weiße Esel und Przewalski-Pferde sind beliebte Fotomotive, ziehen bestimmte Besucherschichten an und entlasten so andere, sensible Teilgebiete.