EN | HU


Freundl
Schon in der Zwischenkriegszeit gab es – vor allem von wissenschaftlicher Seite – Bestrebungen ein Großschutzgebiet am Neusiedler See einzurichten. Dem hartnäckigen Bemühen einzelner und auch der Arbeit des Naturschutzbundes ist es zu verdanken, dass schließlich auch der politische Wille zur Umsetzung zustande kam. Die Verhandlungen führten schließlich 1992 zur Verabschiedung des Nationalparkgesetzes durch den Burgenländischen Landtag.

Auslöser für die ersten Naturschutzbemühungen war die Faszination, die das Neusiedler See - Gebiet mit seiner Artenvielfalt auf Wissenschafter und Studierende ausübte. Die Nähe zur Universitätsstadt Wien ließ hier ein beliebtes "Freilandlabor" für Forscher entstehen. Die Liste früher einschlägiger Publikationen ist lang, unterschiedlichste Themen wurden behandelt: "Der abgetrocknete Boden des Neusiedler Sees" (Moser, 1866) oder "Die Rotatorien des Fertö" (Varga, 1926) sind Beispiele dafür.


Vor und während des Zweiten Weltkriegs waren es berühmte Namen wie Varga, Mika, Breuer oder Hämpel, die die Komplexität des Naturraums Neusiedler See aufzeigten. Wendelberger und Löffler, Machura und König, Freundl und Kasy lieferten später - neben vielen anderen - mit ihren Studien wertvolle Ergebnisse und zeigten damit deutlich den Handlungsbedarf für den Schutz wertvoller Lebensräume auf. Die ersten Anpachtungen durch den ÖNB (Österreichischen Naturschutzbund) erfolgten Mitte der 30er Jahre.


Biologische Station bei Neusiedl am See
Nach ersten vergeblichen Bemühungen um die Errichtung eines Forschungsstützpunktes 1942 bei Illmitz ergriff 1947 der Österreichische Naturschutzbund mit Dr. Machura die Initiative. Mit Stiftungen und Spenden gelang es, 1954 die Biologische Station am Schilfgürtel bei Neusiedl am See zu eröffnen - in einem dafür adaptierten Bootshaus. Sechs Jahre später übernahm das Land Burgenland diese Station, aber schon 1960 brannte das Gebäude ab. 1971 wurde die heutige Biologische Station am Schilfgürtel bei Illmitz eröffnet. Diese Einrichtung ist eine Außenstelle der Naturschutzabteilung beim Amt der Burgenländischen Landesregierung und als solche für alle Landesteile tätig.


1963 war das Geburtsjahr des WWF Österreich, Geburtsort war genaugenommen Apetlon: hier engagierten sich besorgte Naturschützer für die Erhaltung der letzten großen Hutweide, was zur Anpachtung der betreffenden Flächen durch den WWF führte. Etwa zur selben Zeit trat das erste Nachkriegs-Naturschutzgesetz in Kraft, dessen nachfolgende Verordnungen neben einzelnen Vollnaturschutzgebieten auch das Landschaftsschutzgebiet Neusiedler See festlegten.



Das frühe Engagement von Naturschutzorganisationen und Einzelpersonen für die Erhaltung einzigartiger Lebensräume im Neusiedler See - Gebiet darf nicht isoliert von der Entstehungsgeschichte des Nationalparks betrachtet werden: es waren vor allem die Bemühungen des Landes Burgenland, die hier die Landschaft nationalparkwürdig erhalten haben.

Schon im Verordnungsentwurf Nationalpark Neusiedler See des Reichsstatthalters in Niederdonau aus 1939 wird der Südteil des Sees mit seiner Umgebung zum Nationalpark erklärt. 1940, beim Naturschutztag in Schladming, ist das Projekt eines Nationalparks am Neusiedler See wieder ein Thema, wobei auch Gebiete am Westufer mit einbezogen waren.

Mehrere Broschüren über die einzige Kontrastlandschaft Österreichs gaben danach der Bewußtseinsbildung für deren Schutz ebenso die benötigte Breitenwirkung wie die Intensivierung naturkundlicher Führungen durch den ÖNB.



"Geburthelfer" für den Nationalpark - Die verhinderte Brücke
Die 1954 gegründete Biologische Station Neusiedler See betrachtete man als wissenschaftliche Basis für einen künftigen Steppennationalpark. Bei der Tagung der UIPN (Union Internationale pour la Protection de la Nature) 1953 in Salzburg wird die angestrebte Schaffung eines Nationalparks Neusiedler See als sehr wichtig anerkannt.

Der Österreichische Naturschutztag 1959 fand in Eisenstadt statt und hatte als Hauptthema den "Steppen-Nationalpark Neusiedler See". Das heftig umstrittene Projekt einer Brücke über den See führte 1971 zu neuen Überlegungen hinsichtlich der nachhaltigen Wirkung eines Nationalparks für den Fremdenverkehr.


Der ÖNB stellte 1978 den 26. Österreichischen Naturschutztag in Mattersburg unter das Motto "Nationalpark Neusiedler See - Modell zwischenstaatlicher Zusammenarbeit".

Mit dem sogenannten Mattersburger Manifest wurde nicht nur auf den damals zunehmenden Nutzungsdruck durch Siedlungen, Landwirtschaft und Tourismus reagiert, sondern erstmals die Notwendigkeit einer grenzüberschreitenden Nationalparkplanung festgehalten.

Dass ein Nationalpark nicht nur im Wunschdenken einiger Idealisten eine Rolle spielte, zeigte eine Befragung von Urlaubsgästen im Seewinkel im Sommer 1979: 92% der Befragten nannten die Natur als wesentlichen Grund für ihr Kommen.



1988 beauftragte die Burgenländische Landesregierung einen Arbeitsausschuss mit konkreten Vorbereitungsarbeiten für einen Nationalpark. Die Regierungen Österreichs und Ungarns bekundeten den Wunsch nach einem grenzüberschreitenden Nationalpark.

Als Ergebnis wurde 1992 das Nationalparkgesetz beschlossen.